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Stefan Grass
Leiter des Komitees Olympia-kritisches Graubünden

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NZZ

Kein Brot für die Spiele der Selbstherrlichen

Das Nein zu «Sion 2026» ist kein Entscheid gegen die Walliser Organisatoren. Es spiegelt vielmehr die Skepsis gegenüber der Selbstherrlichkeit interna-tionaler Sportverbände. Die Schweiz braucht keine Plattform zur Selbstdar-stellung.

NZZ

Olympia ist mehr als ein Tourismus- und Infrastrukturprojekt

Die Olympischen Spiele müssten wieder verstärkt den Menschen statt die Markt- und Technologie-orientierung zu ihrem Zentrum machen. Das würde helfen, die verlor-ene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Tages-Anzeiger

«Die Kraft solcher Spiele wird überschätzt»

Touristiker Jürg Stettler hinterfragt grossmundige Versprechen der Promotoren von Sion 2026.

NZZ

Das IOC muss Risiken für Winterspiele tragen

Unabhängig von politischen Haltungen ist festzustellen: Trägt die Schweiz das finanzielle Risiko, darf sie sich nicht auf Olympia einlassen.

Olympische Spiele in der Schweiz: Niederlagenserie

18.01.2018

Volle 47 Mal haben vorab regional verankerte Schweizer Politiker und international ausgerichtete Schweizer Sportkreise schon versucht, hierzulande olympische Spiele durchzuführen. Ganze zwei Mal war das Bemühen erfolgreich. (GASTRO Journal)

Die Versprechen der Kandidaturen bleiben sich immer gleich!

Von Peter Grunder

Ein eigenartiges, verstörendes und interessantes Buch haben das Schweizer Sportmuseum und der Werd Verlag dieser Tage vorgelegt: «Olympische Spiele in der Schweiz», auf rund 260 gebundenen Seiten ein «Beitrag zur geschichtlichen Entwicklung der Bewerbungen um Olympische Spiele in der Schweiz», versprochen werden «Kommentar, Erkenntnisse und Auswirkungen für die Zukunft».

Irritierend ist, wie sportlich die ­Autoren aus den innersten Kreisen der olympischen Bewegung und des Schweizer Sports eine ­Herausforderung annehmen, die Sisyphos womöglich abgelehnt hätte: Zwischen allen Zeilen stehen nämlich altvordere Stilisten herum, die einst so souverän wie selbstbewusst ­zwischen Militär, Universität und Wettkampf hin und her carvten – und Sport allen Ernstes als schönste Nebensache der Welt ansahen.

Irritierend ist weiter, wie sehr dieser souveräne, selbstvergessene Stil das Buch, die olympische Bewegung und das fortgesetzte Scheitern der Schweiz prägt. Im Buch wird das freilich kaum angedeutet: Entweder sind die Autoren extrem souverän und cool, oder aber sie sind so nahe dran, dass sie das ganz grosse Scheitern nicht sehen können – irri­tierend ist selbstredend auch das.

Schweizer Versuche: Seit 1955 reiht sich Niederlage an Niederlage

Und irritierend ist schliesslich auch, dass dieses Buch wie ein Teil der aktuellen Arbeiten zum «Vermächtnis» der vagen Winterspiele von 2026 in Sitten daherkommt: Ohne dass die Öffentlichkeit das wahrnimmt, denken zurzeit etliche hochkarätige Arbeitsgruppen darüber nach, wie Olympische Spiele in der Schweiz nachhaltig Werte schaffen könnten, die über Sport und Tourismus hinausgehen.

Aber eben. Weit vorne in dem verstörenden Buch steht zu lesen: «Die enge Vernetzung zwischen den ­Winterspielen, dem Wintersport und dem Wintertourismus wirft ihre Schatten der Kommerzialisierung schon früh auf die olympische Bewegung.» 1928 richtet St. Moritz die ersten Olympischen Winterspiele der Geschichte aus. Das interessierte Engelberg ist mangels Höhenlage aus dem Rennen gefallen – auch die Geschichte um die Schneesicherheit ist mithin uralt. Nachdem Lake Placid 1932 die zweiten Spiele ausgetragen hat, eskaliert die Situation zum ersten Mal: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) zerstreitet sich mit dem Internationalen Skiverband (FIS): Die FIS will auch Skilehrer an die Spiele lassen, das IOC verwahrt sich gegen solche Profis. Dieser Streit, der 1948 in St. Moritz auch das Eishockey erfasst, wird etwa 40 Jahre andauern – das letzte professionelle Opfer ist 1972 in Sapporo der Österreicher Karl Schranz.

Korruptionsvorwürfe und halbpatzige Massnahmen ziehen sich folgerichtig wie ein roter Faden durch die Geschichte. Es kann systemisch nicht gutgehen, wenn sich internationale kommerzielle und sportliche Interessen auf einer nationalstaatlichen infrastrukturellen Ebene treffen müssen. Auch wenn dieses ­Dilemma nicht konkret angesprochen wird, verdeutlichen es die Schweizer Kandidaturen beispielhaft: Es reihe sich «seit 1955 Niederlage an Niederlage», halten die Autoren fest. Zentrale Ursachen seien «kurzfristiges Denken vor langfristigen Überlegungen» sowie «Innen- vor Aussenorientierung».

Ursachen: Innen- vor Aussenorietierung und kurzfristiges Denken statt langfristige Überlegungen

Das Schweizer Stimmvolk scheint im Gegensatz zu selbstvergessenen und ehrgeizigen Politikern und Sportlern ein Gespür für den systemischen Grundfehler zu haben: Als der Sittener Stadtpräsident und spätere Bundesrat Roger Bonvin für 1968 Winterspiele plant, sagen die Sittener 1963 in der weltweit ersten Volksabstimmung zu Olympia prompt Nein. Die Stadt Zürich folgt 1969 vernichtend, als der Stadt­präsident Sigmund Widmer mit Unterstützung des IOC-Präsidenten Avery Brundage für die Winterspiele 1976 antreten will. Und als Lausanne sich um Winterspiele 1994 ­bemüht, bockt 1988 schliesslich auch das Stimmvolk rund um den Sitz des IOC in Lausanne.

Volkes ablehnende Stimme, die zuletzt zweimal aus Graubünden schallte, ist mithin nicht Ausnahme, sondern Regel. Legt man diese Erkenntnis zu den übrigen Ergebnissen der Schweizer Olympiageschichte und zum aktuellen Zeitgeist, hat «Sion 2026» keine Chance. Ohne das ausdrücklich zu sagen, halten das auch die Autoren des faszinierenden Buches fest: «Ganzheitliche, von einer Vision getriebene Konzepte bilden die Ausnahme», halten sie zusammenfassend fest. Nach wie vor gelte «der Grundsatz , wonach sich jeder bewerben kann, der auch bereit ist, die finanziellen Risiken zu tragen». Und «obwohl sich unsere Umwelt inzwischen stark verändert hat und auch die Olympischen Spiele in andere Dimensionen vorgestossen sind, hat das NOK den Prozess in der Grundstruktur unverändert belassen.» Schade und irritierend auch das.

OLYMPISCHE SPIELE IN DER SCHWEIZ

Ein Beitrag zur geschichtlichen Entwicklung der Bewerbungen um Olympische Spiele in der Schweiz – Kommentar, Erkenntnisse und Auswirkungen für die Zukunft

Das Thema Olympische Spiele trifft in der Schweiz auf grosses Interesse. Es weckt Emotionen und ist Gegenstand einer permanenten Diskussion. In Olympische Spiele in der Schweiz stellen die Autoren die Gesamtheit der olympischen Initiativen der Schweiz entlang ihrer Geschichte dar und untersuchen die Wirkung der durchgeführten Olympischen Winterspiele als Kulturerbe. Das Buch schafft einen Überblick über die schweizerischen Bemühungen um Olympische Spiele, von den Bewerbungen bis zur Durchführung inklusive der Olympischen Jugendspiele.

Autor: Urs Lacotte, Miranda Kiuri, Claude Stricker
260 Seiten, 16,4 x 23,5 cm, gebunden, Hardcover
Mit 47 Abbildungen und Illustrationen
ISBN 978-3-85932-886-0, CHF 39.– / EUR 30.–

Stets zu optimistische Budgets

29.12.2017. Noch ist die Olympia-Kandidatur von Sion 2026 unsicher. Häufiger als vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wurden die Olympiavorlagen von den Schweizer Stimmbürgerinnen verweigert. Von zehn kantonalen Kandidaturen verweigerte das Volk deren sechs. Viermal entschied sich das IOC gegen eine Schweizer Kandidatur. (Der Bund)

Von Frank Geister

Stolz, sein Land vertreten zu dürfen, betritt der Schweizer Bobfahrer Felix Endrich zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 1948 mit seinen Teamkameraden die Tribüne. Er kann nicht ahnen, dass er im Zweierbob eine Goldmedaille für sein Land holen wird. Und den amtierenden Weltmeister Fritz Feierabend, dessen Schüler er ist, auf den zweiten Platz verweisen wird. Dass es danach für mindestens 80 Jahre keine Olympischen Winterspiele in der Schweiz mehr geben würde, wäre für ihn wohl unvorstellbar gewesen.

Das im Thuner Werdverlag erschienene Buch macht jetzt klar, dass kein europäisches Land häufiger versucht hat, die Olympischen Winterspiele durchzuführen, als die Schweiz. Seit Beginn der Winterspiele 1924 in Chamonix haben Schweizer Städte 49 Mal damit geliebäugelt, die beachtete Sportveranstaltung zu erhalten. Ausgetragen wurden die Spiele bisher erst zweimal: 1928 und 1948. Austragungsort: beide Male St. Moritz. 1928 entsprach die hochalpine Stadt St. Moritz dem Zeitgeist zur Durchführung von Olympischen Winterspielen. Nach zwei durch den Weltkrieg verhinderten Spielen 1940 und 1944 symbolisierten die Winterspiele 1948 in der neutralen Schweiz den Frieden.

Häufiger als vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wurden die Olympiavorlagen jedoch von den Schweizer Stimmbürgern verweigert. Von zehn kantonalen Kandidaturen verweigerte das Volk deren sechs. Viermal entschied sich das IOC gegen eine Schweizer Kandidatur. Dreimal mussten Kandidaturen beim IOC zurückgezogen werden, da die Stimmbürger dem Projekt nachträglich die Unterstützung verweigerten: 1968 in Sion, 1994 in Lausanne und 2010 in Bern.

Kostenüberschreitungen

Gretchenfrage war stets die Finanzierung. Die Buchautoren kritisieren, dass die Projekte kurzfristige Erfolge ins Zentrum stellten, statt auf nachhaltigen ökonomischen Erfolg ausgerichtet zu sein. Die Budgets seien durchs Band zu optimistisch gewesen. Sie vermuten, dass die Organisatoren damit versuchten, die hohen Hürden der Volksabstimmung zu meistern. Sprich: das Stimmvolk über die tatsächliche Höhe der Ausgaben im Dunkeln liessen.

Die Herausforderung im Bewerbungsprozess sehen die Verfasser darin, dass Bewerber eine Vielzahl sich zum Teil widersprechender Ziele erreichen sollen: Exzellenz des Konzepts, minimale finanzielle Risiken, positives Vermächtnis für kommende Generationen und einen kurzfristigen wirtschaftlichen Nutzen. Dass bis heute das Nationale Olympische Komitee keinen Wissenstransfer von einer Bewerbung zur nächsten systematisiert habe, erschwere es Kandidaten, gegenseitig von Erfahrungen zu profitieren. (...)

 

OLYMPIA-ABSAGE – EIN GEWINN FÜR DIE DEMOKRATIE

Wegen der drohenden Ablehnung des Abenteuers Olympia in der steirischen Bevölkerung hat das ÖOC die Reißleine gezogen. Nachdem feststand, dass die KPÖ in Graz genügend Unterstützungserklärungen für eine Volksbefragung gesammelt hatte, musste es zu einer Entscheidung kommen.

Das Komitee «Nein zu Sion 2026» freut sich über das Nein

Die Walliserinnen und Walliser wollen nicht, dass ihre Steuergelder in einem kurzen Olympischen Strohfeuer landen. Vielmehr sollten damit Projekte unterstützt werden, von denen das Wallis als Kanton langfristig profitiert.

Danke an die Tiroler – Olympia-Watschn pickt!

Wir sagen den Tirolerinnen und Tirolern Danke für 53% Nein zu Olympia! Es ist zu billig, die Verantwortung für dieses Debakel nur auf das IOC und die schlechte Kampagne abzuschieben.  Die Tiroler haben bestens verstanden, worum es geht.

Das Bündner Volk hat Olympia den Zahn gezogen!

Der Grundsatzentscheid der Bündner Stimmbevölkerung  sich nicht in ein unkalkulier-bares Olympiaabenteuer zu stürzen.

Kritik an GR2022

Das Bündner Volk hat rechtzeitig den Stecker gezogen!

Bündnerinnen und Bündner wollen schuldenfrei bleiben, die Landschaft als Kapital erhalten und weiterhin Geld für die Unterstützung von nachhaltigem Tourismus, Bildung und Kultur zur Verfügung zu haben.